De:Bug Musiktechnik » Andreas Lubich at Dubplates & Mastering |2006

Dubplates & Mastering

von der Festplatte aufs Vinyl

Seit gut zehn Jahren wird bei Dubplates & Mastering in Berlin-Kreuzberg Musik gemastert und auf Vinyl umgeschnitten. Fünf Engineers arbeiten hier in zwei Studios. Einer von ihnen ist Andreas Lubich, dessen Kürzel “Loop-O” zahlreiche Platten in euren Schränken ziert. Er erklärt, wie man Musik überhaupt auf Vinyl bekommt, warum die Platte ein besseres Frequenzspektrum hat als die CD und warum ein Limiter alles zerstören kann.

von Thaddeus Herrmann
 

Warum muss man Musik überhaupt mastern?
Nüchtern betrachtet ist Mastern die klangliche und technische Optimierung einer musikalischen Produktion, also der letzte Schritt vor Presswerk und Release. Früher beinhaltete das allein die technische Optimierung eines Premasters. Damals sollte weitgehend keine Soundveränderung stattfinden. Im Laufe der Jahre ist daraus allerdings ein sehr viel kreativerer Prozess geworden. Mastering-Engineers sind heute fast schon Produzenten und sind für den letzten klanglichen Schliff der Produktion verantwortlich und dafür, ob eine 12″ im Club funktioniert oder nicht. Wie gut das gelingt, ist weniger vom Equipment als von den Fähigkeiten des Engineers und der Qualität des Ausgangsmaterials abhängig. Als Mastering-Engineer hört man Musik analytischer als der Musiker. Dadurch geht man an die Endbearbeitung objektiver und effektiver heran.

Mit welchen Vorstellungen kommen die Kunden zu euch?
Das ist ganz unterschiedlich. Manche kommen einfach aufgrund der technischen Notwendigkeit des Umschnitts zu uns. Ein größerer Teil der Kunden kommt, da sie sich einen bestimmten Sound für ihre Produktion wünschen, den sie bereits auf anderen bei uns gemasterten und geschnittenen Platten gehört haben.

Vinylschnitt hat eine lange Geschichte, auch die Maschinen sind fast schon antik. Was hat sich im Laufe der Jahre verändert? Kann die Technik heute überhaupt noch mithalten?
Verändert hat sich vor allem das Frequenzspektrum und die Pegel. Dadurch, dass heute fast alle digital produzieren, ist das Material, das bei uns ankommt, völlig anders als das, was noch vor zehn Jahren im Studio ankam. Und natürlich wird von den Künstlern erwartet, dass dieses Frequenzspektrum und der deutlich lautere Pegel auch so auf die Schallplatte kommen. Früher hatte man analoge Instrumente und Tonbänder mit einem ganz anderen, viel moderateren Frequenzgang. Dazu kam im Aufnahmestudio ein Toningenieur, der die Produktion schon hinsichtlich der physikalischen Gegebenheiten der Schallplatte bearbeitet hatte. Heutzutage gibt es nahezu keine Limitierung mehr zwischen Frequenz und Pegel. Auf CD kann man das auch gut abbilden, die klingt so, wie man sie aufgenommen oder gemastert hat. Auf Vinyl funktioniert das anders. Die Platte unterliegt gewissen physikalischen Limitierungen und vielen Musikern fehlt die Produktionserfahrung im Umgang mit der Schallplatte. Ich begreife das als Chance. Vinyl lebt, die Musik verändert sich, wenn man sie auf Schallplatte umschneidet. Für mich ist das der Reiz des Mediums, da geht die kreative Arbeit erst richtig los.

Gibt es Dinge, die man schon im Mix beachten sollte, wenn der Track später auf Schallplatte releast werden soll?
Ganz wichtig ist mir, dass sich die Musiker nicht zu sehr den Kopf zerbrechen über technische Gegebenheiten und zunächst die Musik so machen, wie sie sie machen wollen. Erst dann sollte man sich man mit dem Medium Schallplatte und seinen physikalischen Begrenzungen auseinander setzen. Wichtig ist ein homogener Mix. Das bedeutet, jeder Sound hat seinen Platz. Sounds, die aufgrund ihres Pegels oder ihrer Frequenz stark aus dem Mix herausfallen, gehen immer auf Kosten des Gesamtsounds und auch der Abtastbarkeit der Platte. Leider wird häufig versucht, die Stücke schon vorzumastern. So werden die Tracks oft schon stark gelimitet angeliefert, um Lautheit zu erreichen. Lautheit und Lautstärke muss man unterscheiden. Die Lautheit entsteht zum einen durch die Auswahl der Sounds und den Mix und dann bei uns durch das Mastering. Die Lautstärke wird erst beim Umschnitt auf die Masterfolie bestimmt. Ein zu stark gelimitetes Master verstärkt einerseits die Gefahr für Verzerrungen und lässt andererseits praktisch keinen Spielraum mehr zur Bearbeitung. Die Devise muss sein: Weniger ist mehr. Ein Mastering-Engineer hört Musik anders als Musiker, eher analytisch, und kann die Endbearbeitung besser und effektiver machen. Bei Vocaltracks bietet es sich an, die S-Laute der Stimme zu de-essen, wenn dies nicht schon bei der Aufnahme passiert ist. Diese S-Laute neigen dazu, auf der Schallplatte zu zerren. Stereoeffekte auf einer Bassline oder Bassdrum können aufgrund der dadurch entstehenden Phasendifferenz zwischen den beiden Stereokanälen problematisch sein. Gerade bei Platten, die vor allem im Club gespielt werden sollen, ist es ratsam, den Bass mono zu halten. Andernfalls kommt es auf einer Club-PA zu Auslöschungen und die Bassdrum geht nicht mehr in die Beine. Das kann aber auch noch während des Masterings, vor dem Umschnitt geschehen. Man sollte auch wissen, dass die mögliche Lautstärke und Spiellänge einer Schallplatte mit anderen Faktoren wie Bass und Stereobreite zusammenhängen. Faustregel: Die Seitenlänge einer möglichst laut umzuschneidenden Clubmaxi sollte nicht länger als 12 Minuten sein.

Wo liegen die angesprochenen physikalischen Grenzen der Schallplatte?
Vinyl hat bei richtigem Umgang einen Frequenzbereich von 5 Herz bis über 25 Kiloherz und liegt damit eigentlich weit über den Möglichkeiten jedes digitalen Systems. Um diesen Frequenzbereich zu nutzen, müssen jedoch einige Voraussetzungen erfüllt sein. So liegen einige Probleme auf der Wiedergabeseite. Denn die Wiedergabefähigkeit der Höhen fällt je nach verwendetem Tonabnehmer mehr oder weniger proportional ab, desto weiter man sich dem Innenteil der Platte nähert. Man sollte daher – egal ob bei Maxis oder Alben – besonderen Wert auf das Tracklisting legen und die wichtigsten oder Höhen- und Attack-lastigsten Tracks möglichst weit außen platzieren.
Interessant ist es zum Beispiel, sich eine Schallplatte einmal mit einem HiFi- und dann mit einem gängigen DJ-Tonabnehmer anzuhören. Da gibt es große Unterschiede in Bass- und Höhenwiedergabe sowie Transparenz. Das hat mit der Abtastfähigkeit des Tonabnehmers zu tun. Viele DJ-Systeme sind nur auf Tracking und Lautstärke ausgelegt und werden mit ca. vier Gramm Auflagekraft betrieben. Mit solch einem System ist es nicht möglich, die feinen Auslenkungen, die eine Rille beschreibt, vernünftig abzutasten.

Wie wirkt sich der Unterschied zwischen 33rpm und 45rpm aus?
Eine Platte mit 45rpm hat durch die höhere Umdrehungsgeschwindigkeit eine sehr viel bessere Auflösung und ist daher für jeden Tonabnehmer leichter abzutasten. Das macht sich sowohl in den Höhen als auch im Bass positiv bemerkbar. Ein Schnitt auf 33rpm wird im Gegensatz dazu of als wärmer bezeichnet. Die Entscheidung, ob auf 33 oder 45rpm geschnitten werden kann, ist maßgeblich abhängig von der Seitenspiellänge und kann vor dem Umschnitt durch Testschnitte bestimmt werden.

 

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